Anne Lampen (Anne Lampen Architekten BDA) und Anna Hopp (annahopp architekten BDA)
Anne Lampen (Anne Lampen Architekten BDA) und Anna Hopp (annahopp architekten BDA)

Drei Fragen an ... 

die Architektinnen Anna Hopp und Anne Lampen

 

Ihr Entwurf steht unter dem Motto „Vielfalt York“. Wie würden Sie die Philosophie zusammenfassen?

Anna Hopp: Die Idee ist, Individualeigentum für unterschiedliche Altersgruppen, Einkommensschichten, Lebensformen und Ethnien zu ermöglichen. Eine sozialgerechte Vergabe der Häuser erfolgt entsprechend der Haltung der Stadt Münster. Die Partizipation an Stadtraum wird durch nachhaltig bezahlbaren Wohnraum unterstützt, indem der Weiterverkauf für die preisgedämpften Häuser für einen bestimmten Zeitraum unterbunden wird. Die Pluralität des Quartiers wird durch abwechslungsreiche Architektur und einen facettenreichen Außenraum befördert. Monokultur des Wohnraumes wird somit nicht entstehen. Es wird erschwingliches Leben in der Gemeinschaft mit privaten Rückzugsmöglichkeiten geben.

Anne Lampen: Vielfalt bedeutet für uns: Vielfalt in der Architektur, der Bewohnerschaft, unterschiedliche Lebensmodelle, Kleinfamilie, Großfamilie, Wohngemeinschaft, allein, zu zweit, in Familie oder Partnerschaften in diversen Konstellationen, ein lebendiges Viertel, das sich verändern kann, weil auch unsere Gesellschaft sich ständig verändert. Schon die Grundstücksvergabe der KonvOY sah in der Bewerbungsphase vor, dass mindestens zwei Architekturbüros eingebunden werden mussten, um eine architektonische Vielfalt zu erreichen. Eine kluge Entscheidung! Für uns war es sehr spannend, diesen Entwurf gemeinsam zu entwickeln, unsere jeweils eigene Architektursprache miteinander zu verknüpfen und zu verweben, sodass ein spannendes Miteinander in dem architektonischen Ganzen entstanden ist. Ein sehr schönes Experiment, das uns sehr viel Spaß gemacht hat.

Wie schafft Architektur hier den nahtlosen Übergang zwischen Gemeinschaft und Individualität?

Anna Hopp: Vielfältige Haustypen werden den unterschiedlichen Bedürfnissen und Wünschen ebenso gerecht wie sogenannte „Grüne Fugen“ im Zentrum des neuen Quartiers. Diese bieten Orte des Rückzugs und Ruhe oder des Spiels und der Interaktion. Allein der „Naschobst-Pfad“ wird saisonal einen intensiven Austausch zwischen allen Quartiersbewohnern fördern.

Anne Lampen: Unsere Häuser bieten Raum für Privatheit und Gemeinschaft, geschützt und offen. Die Wohnräume gehen in durch Hecken geschützte nicht einsehbare Terrassen über, der Garten öffnet sich später zur Nachbarschaft und Gemeinschaft. Zusätzlich gibt es private Rückzugsbereiche auf den Dachterrassen, die alternierend ausgerichtet sind und somit schöne intime Plätze bilden, was gerade in einer Reihenhausbebauung sehr wichtig ist.

Wenn Sie einen Blick in die Zukunft werfen – wie stellen Sie sich das Miteinander im Teilquartier vor?

Anna Hopp und Anne Lampen: Unser Angebot vielfältiger Wohnformen bietet die Grundlage, um mit sozialer und altersmäßiger Durchmischung Vorbehalte gegenüber anderen Lebensmodellen und Herkünften abzubauen. Barrierefrei nutzbare Gebäudetypen bieten außerdem eine „selbstverständliche“ Inklusion. Private Rückzugsbereiche schaffen einen Ausgleich zu den verschiedenen nachbarschaftlichen Flächen. Durch den Fokus auf umweltfreundliche Mobilität rückt das Quartier ganz nah an die gute Infraktruktur in Gremmendorf und auch an die Altstadt und den Hafen heran. Wir hoffen auf intensive Begegnungen in den privaten-halböffentlichen-gemeinschaftlichen Bereichen mit einem lebendigen starken sozialen Miteinander.